Lingenau (A) - St. Johann Baptist - 2012

Photo: Friedrich Böhringer


Aus einem Guss - Kirchenraum und Orgel

Selten genug erlebt man diese Situation: Die (Neu-)Gestaltung des Kirchenraumes und der Orgel werden als eine gedankliche Einheit begriffen und entsprechend angegangen. Und so oblag den Wiener Achitekten Ernst Beneder und Dr. Anja Fischer auch die optische Gestaltung der neuen Orgel. Mit der Einweihung der Orgel am 8. Dezember 2012 endete nicht nur die beinahe 50jährige Periode ohne Pfeifenorgel, sondern es wurde auch die über mehrere Jahre gehende Renovierung und Neugestaltung der Kirche abgeschlossen.

Nach fünf Dekaden endlich wieder eine richtige Orgel

Wenn sie auch keinen "Werkprospekt" im klassischen Sinne besitzt, so wird doch die innere Struktur des Instruments durch ihre äußere Gestalt klar angedeutet: Im linken Korpus befindet sich das Schwellwerk, mit seinen markanten horizontalen Rippen aus dickem, zweilagigen Glas. Rechts hinter der Freipfeifenfront ist das Hauptwerk aufgestellt. Die optische Verbindung wird durch horizontale Holzpfeifen gebildet, die den jeweils großen Oktaven von Subbass 16' und Bourdon 16' entsprechen.

I. Hauptwerk C - a'''
Bourdon  16'
Principal 8'
Flöte 8'
Gedackt 8'
Octave 4'
Blockflöte 4'
Quinte 2 2 /3'
Superoctave 2'
Mixtur IV 1 1/3'
Trompete 8'
   
Pedal C -f'
Violonbass 16'
Subbass 16'
Octavbass 8'
Gedecktbass 8'
Choralflöte 4'
Posaune 16'
II. Schwellwerk C - a'''
Principal 8'
Gambe 8'
Bourdon 8'
Bourdon céleste 8'
Traversflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Progression I-III 2'
Bassklarinette 16'
Fagott-Oboe 8'
Tremulant  
   
II/I, I/P, II/P  


Klanglich galt es die begrenzten Mittel maximal auszunutzen, d.h. für jedes Register die perfekte Balance zwischen Solo- und Ensemblefähigkeit zu finden. Das Hauptwerk erhielt dabei den etwas herberen und anspracheintensiveren Principalchor, der sich Dank der sensiblen und kurzen Traktur entsprechend sensibel zum Klingen bringen lässt, oder besser ließ. Leider wurden nach meinem Weggang von der Firma Rieger die Principale des Hauptwerks "weichgespült" - Individualität schmeckt eben nicht jedem. Im unten verlinkten Video ist die Orgel noch in der originalen, durch mich intendierten Klanglichkeit zu hören.

Dem gegenüber sind die Principale des Schwellwerks dunkler und weicher angelegt. Markant ist neben den farbigen Flöten die in kleinen Instrumenten eher selten anzutreffende gedeckte Schwebung.

Die Posaune 16' mit vollen sehr weiten Bechern hat bedingt duch ihre belderten Holzkehlen und Holzköpfe einen weichen, dunkel-sonoren Klang. Sie hat ebenso wie die Trompete ihre gedankliche Heimat bei norddeutschen Vorbildern.

Weiterführende Informationen

  • Das Titelbild am Beginn der Seite und die in der ersten Galerie enthaltenen Bilder stammen von Friedrich Böhringer und unterliegen der Creative-Commons-Lizenz.