Goch - St. Maria Magdalena - 2015

Photo: Franz Peters

Die neue Orgel als Vollendung des Wiederaufbaus

Leider nicht der Beginn eine Drehbuchs, sondern Realität: Am 24. Mai 1993 stürzte völlig unerwartet der Kirchturm von St. Maria Magdalena ein! Als Glück muss man den Umstand bezeichnen, dass dabei keine Menschen zu Schaden kamen. Die Seifert-Orgel von 1958 hingegen wurde durch die herabstürzenden Schuttmassen zerstört.

 

Im Jahre 2003, also zehn Jahre nach diesem dramatischen Ereignis wurden sowohl der Wiederaufbau jener zerstörten Teile der Kirche, als auch die Errichtung eines Turmes in moderner Gestalt abgeschlossen - die orgellose Zeit, überbrückt mit einem Elektronium, sollte noch bis 2015 anhalten.

 

Überlegungen für die großvolumige gotische Kirche, mit ihrer großen und tragfähigen Akustik gab es viele, schlussendlich fiel die Wahl auf ein Klangkonzept, das seine Wurzeln in der französischen Romantik findet, ohne explizit Stilkopie zu sein. Aber gerade die Instrumente eines Aristide Cavaillé-Coll sind es, die solche Räume klanglich perfekt zu beherrschen wissen, so dass seine Denkweise hier ein idealer Inspirationsquell war. Disposition und Mensuren lehnen sich eng an die in dieser Stilistik erwarteten Klangfarben an und die Aufstellung des Pfeifenwerks auf Bass-Diskant-geteilten Winddrücken unterstreicht dieses noch. Gerade dieses jedem Spieler eines Blasinstruments bekannte Prinzip: hohes Windvolumen in den tiefen Lagen und entsprechender Druck in den hohen Lagen ist für eine orchestrale Klangentfaltung insbesondere der überblasenden Flöten und Zungen von großer Wichtigkeit.

 

Von ihrer Anlage entspricht die Orgel im Grunde einem großen zweimanualigen Instrument. Im Laufe der Planungen entschloss man sich jedoch, den Registerbestand des Solowerkes mittels einer eigenen Klaviatur anspielbar zu machen, um die musikalische Vielfalt zu erhöhen. Das Solowerk muss immer sowohl mit dem Hauptwerk, wie auch dem Pedal zusammen betrachtet werden, denn es ergänzt dort wichtige Klangfunktionen, die durch ihre Auslagerung (ökonomisch) auf mehreren Werken verfügbar werden.

I. Grand Orgue C - g'''
Montre 16'
Montre 8'
Salicional 8'
Flûte à cheminée 8'
Octave 4'
Quinte 2 2/3'
Doublette 2'
Cornet IV 4'
Plein Jeu IV-VI 1 1/3'
Clarinette 8'
   
III. Solo C -g'''
Flûte harmonique 8'
Violoncelle 8'
Flûte conique 4'
Basson 16'
Trompette 8'
Clairon 4'
   
Pedalé C - f'
Soubasse (Ext. Soubasse 16') 32'
Principalbasse (Tr. Montre 16') 16'
Violonbasse 16'
Soubasse 16'
Basse ouvert 8'
Bourdon 8'
Octave 4'
Bombarde 16'
II. Récit expressiv C - g'''
Bourdon 16'
Diapason 8'
Bourdon 8'
Viole de Gambe 8'
Voix céleste 8'
Prestant 4'
Viole d'amour 4'
Flûte octaviante 4'
Nazard harmonique 2 2/3'
Octavin 2'
Tierce harmonique 1 3/5'
Mixture IV 2'
Cor d'harmonie 16'
Trompette harmonique 8'
Basson-Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Tremolo  
   
   

Mechanische Tontraktur in I. und II.

 

Elektrische Tontraktur in III. und P

 

Elekrische Registertraktur

 
   

alle Normal-/Sub-/Superkoppeln

 
   
leicht ungleichstufige Temperierung  
   
Bass-Diskantgeteilte Winddrücke  


Am Christkönigsonntag 2015 spielte Elmar Lehnen (Organist Marienbasilika Kevelaer) das morgendliche Festhochamt zur Orgelweihe und Ansgar Wallenhorst (Kirchenmusiker an St. Peter und Paul Ratingen) das nachmittägliche Konzert zur Orgelweihe. Einige Beiträge der Festschrift finden sich auf der Homepage des Orgelbauvereins.

Eine kurze gutachterliche Stellungnahme zum Instrument durch Ansgar Wallenhorst kann hier heruntergeladen werdern:

Download
Ansgar Wallenhorst über die neue Orgel in Goch
Goch_AW.pdf
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